Fahrlässigkeit
Autounfall© Dan Race / Fotolia.com

Fahrlässigkeit: Nicht ganz einfach zu bestimmen

Der Begriff Fahrlässigkeit ist nicht so einfach zu bestimmen, da auch die Rechtsprechung immer wieder unterschiedliche Urteile fällt und kein Rechtsstreit wie der andere ist. Fahrlässig handelt im Grunde, wer im Verkehr die erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt.

Das kann der Fall sein, wenn jemand einen Schaden voraussieht, aber hofft beziehungsweise nicht erwartet, dass es wirklich so kommt.

Demzufolge wird zwischen unbewusster und bewusster Fahrlässigkeit unterschieden. Von grob fahrlässig spricht man, wenn jemand die notwendige Sorgfalt im Verkehr in besonders schwerem Maße missachtet. Die Beurteilung eines fahrlässigen Handelns kann recht schwierig sein, da die Unterschiede zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit nicht genau definiert sind, sondern sich aus der Rechtssprechung ergeben. So hat auch immer der Richter das letzte Wort; eine Entscheidung noch am Tatort zu fällen, dürfte für keinen so einfach gehen.

Beispiele: Fahrlässigkeit oder nicht?

Fahrlässigkeit am Steuer ist nicht nur eine Sache der Gerichte, auch Versicherungen bedienen sich oft dieses Begriffs. Auch hier wird differenziert. Bei Wildunfällen wird zum Beispiel unterschieden, ob man einem großen Tier wie einem Rehbock ausweicht und so einen Schaden am Auto verursacht, oder ob man einem Eichhörnchen oder einer Katze den Vorrang gibt. Letzteres dürfte wohl augenscheinlich Fahrlässigkeit sein.

Ähnlich verhält es sich auch im übrigen Straßenverkehr. Besonders in Innenstädten mit ihren dichten Schilderwäldern werden Autofahrer schnell unaufmerksam. So wird in der Eile schon mal ein Schild übersehen. Ist die Bedeutung des Schildes als nicht sehr hoch einzustufen und der Fahrer macht sich keines weiteren Vergehens wie dem Telefonierens am Steuer schuldig, kann von Fahrlässigkeit zum Beispiel abgesehen werden.

Was zählt als grob fahrlässig?

Grobe Fahrlässigkeit liegt dann vor, wenn die erforderliche Sorgfalt im besonderen Maße nicht beachtet wurde. Wann dieser Fall eintritt, ist jedoch nirgendwo fest geregelt. Im Zweifelsfall haben Richter zu entscheiden, wann es sich um eine grobe Fahrlässigkeit handelt und wann um eine einfache. Nach Aussage des Bundesgerichtshofs handelt jeder grob fahrlässig, der "einfachste Überlegungen nicht anstellt und keine Maßnahmen ergreift, die jedermann einleuchten müssen".

Bedeutung für den Versicherungsschutz

Im Straßenverkehr ist die grobe Fahrlässigkeit vor allem bei einem Unfall und beim Versicherungsschutz von hoher Bedeutung. Wenn einem Autofahrer nach einem Unfall grobe Fahrlässigkeit unterstellt wird, kann die Versicherung des Beschuldigten die Zahlung verweigern, der Versicherungsschutz erlischt also. Ob wirklich eine grobe Fahrlässigkeit vorliegt, muss von Fall zu Fall entschieden werden. Es gibt jedoch einige Punkte, die für solch grobe Vergehen sprechen, beispielsweise das Fahren unter Einfluss von Alkohol oder Drogen oder auch das Überfahren einer roten Ampel oder eines Stoppschilds.

Die Vollkasko deckt nicht alle Kosten

Häufig erlischt dadurch der Versicherungsschutz oder wird vermindert, so dass man auf seinen Kosten sitzen bleibt. Paragraf 81 Absatz 2 des Versicherungsvertragsgesetzes sagt dazu Folgendes: "Führt der Versicherungsnehmer den Versicherungsfall grob fahrlässig herbei, ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem der Schwere des Verschuldens des Versicherungsnehmers entsprechenden Verhältnis zu kürzen". Die Vollkaskoversicherung übernimmt also auch bei grober Fahrlässigkeit die Kosten, allerdings gemindert um einen Betrag, der der Schwere des eigenen Verschuldens entsprechen soll. Nur wenige Versicherungen decken auch bei grober Fahrlässigkeit alle Kosten.